Nachdem es nun längere Zeit keine neue Pleite vom Mittelstandsmarkt zu vermelden gab, hat sich nun eine weitere Unternehmen in die Insolvenz begeben: Rena Lange.

Rena Lange ist eine weitere Firma, die im Jahre 2013 eine Mittelstandsanleihe ausgab, aber nicht einmal das erste Jahr der bis 2017 geplanten Anleihe überlebte. Die Mittelstandsanleihe sah ein Volumen von bis zu 10 Millionen Euro vor und war mit einem 8% (bei vierteljährlicher Zinszahlung) Coupon versehen. Von den geplanten 10 Millionen konnten allerdings bis zum Zeichnungsende nur 5,4 Millionen Euro platziert werden. Zum 12.09. wäre die dritte Quartals-Zinszahlung fällig – welcher man allerdings mit der Insolvenz am 09.09. zuvorkam.

Zur Zeichnung war die Anleihe mit einem BB- Rating von Creditreform versehen. Dieses Rating wurde zum 11.07.2014 seitens Creditreform vorläufig ausgesetzt. Begründung von Rena Lange:

Diese Maßnahme basiert auf noch fehlenden Daten unter anderem zum Jahresabschluss 2013/2014, die aufgrund einer kurzfristigen personellen Sondersituation bei Rena Lange leider noch nicht geliefert werden konnten. Die Gesellschaft arbeitet daran, zeitnah alle offenen Informationen zu liefern.

Im Nachhinein lässt sich hier vermuten, dass es vielleicht auch noch andere Gründe gab – denn zu diesem Zeitpunkt hätten sich die Probleme eigentlich schon abzeichnen müssen.

Interessanterweise gibt es seitens Rena Lange keinerlei Erklärung für die Insolvenz – die durchaus etwas überraschend kam. Die Presseerklärung zur Insolvenz ist auch sehr kurz gehalten:

Die Geschäftsleitung informiert, dass am heutigen Abend ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung über das Vermögen der RENA LANGE HOLDING GmbH sowie ein Insolvenzantrag im Regelverfahren über das Vermögen der 100%igen Tochtergesellschaft M. Lange & Co GmbH beim Insolvenzgericht München eingereicht worden sind.

Die Geschäftsführer und die Gesellschafterseite gehen davon aus, dass sehr kurzfristig ein vorläufiger Insolvenzverwalter bzw. Sachwalter bestellt wird, der die Fortführung des operativen Geschäftsbetriebes sowie der Holdingstruktur sicherstellt.

Zuletzt gab es im Juni noch ein Anleihen-Studio der Acon Group welche zu einem BUY als Fazit kam. Allerdings hat diese Studie einen fetten Beigeschmack – schließlich war es die Acon Actienbank, die diese Anleihe an die Börse gebracht hat. Ob das jetzt wirklich eine so objektive Beurteilung war….

Mal gespannt, ob hier noch eine paar Gründe der Insolvenz kommuniziert werden.

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Die Maritim Vertriebs GmbH hat in den letzten Tagen für ein paar Irritationen auf dem Mittelstandsanleihenmarkt gesorgt.

Die Maritim Vertriebs GmbH hat aktuell eine 25 Millionen Anleihe (DE000A1MLY97), welche mit einem Kupon in Höhe von 8.25% p.a. versehen ist, ausstehen. Die Anleihe wurde im Juni 2012 mit einer Laufzeit von 30 Monaten aufgelegt (sprich: sie ist zum Dezember 2014 fällig) und es konnten bis zur Schließung im Januar 2013 ca. 20 Millionen der Anleihe platziert werden.

Seit ihrer Auflage rangierte die Anleihe durchweg bei rund 95 % und machte auch sonst wenig von sich hören – auch nicht mit fundierten Zahlen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Jahresabschluss zum 31.12.2012 auf der Homepage bereitgestellt, der einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 1 Million € ausweist.

Völlig überraschend präsentierte man am 29.07.2014 nun eine Einladung zur Gläubigerversammlung. Idee der Maritim Vertriebs GmbH: man wolle auf die anstehende Rückzahlung der Anleihe am 1. Dezember 2014 verzichten und stattdessen die Laufzeit der Anleihe – bei einem verringerten Kupon von 3,25% p.a. – um weitere 5 Jahre bis zum 1. Dezember 2019 verlängern. Grob begründet wird dies in der Einladung mit:

Vor dem Hintergrund, dass die von der Emittentin gehaltenen Beteiligungen an Einschiffsgesellschaften nach der Sanierungsphase derzeit jeweils einen höchst erfolgreichen Geschäftsverlauf vorweisen können, wäre der Verkauf dieser Beteiligungen zum Zwecke der Liquiditätsgenerierung und anschließenden Rückzahlung der Inhaber-Teilschuldverschreibungen wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Reaktion der Anleihe? Schlagartiger Abfall auf 65% – dieser Vorschlag kam also bei den Investoren so gar nicht gut an.

Reaktion der Maritim Vertriebs GmbH? Heute sagte man in einer geplante Gläubigersammlung wieder ab.

„Wir sind von der heftigen Reaktion des Marktes auf unseren Vorschlag überrascht und auch ein wenig enttäuscht“ „Das von uns ausgesuchte Portfolio an Spezialschiffen hat den Anlegern in den vergangenen zwei Jahren eine ansehnliche Rendite gebracht. Unser Anliegen war es, die Beteiligungen an diesen gut laufenden Einschiffsgesellschaften langfristig für die Anleger zu sichern. Dies ist offenbar nicht gewünscht. Daher werden wir das Engagement in diesen Gesellschaften beenden und die Anleihe am 1. Dezember vollständig an die Investoren zurückzahlen.“

Ganz ehrlich: Mich überrascht es, dass die Geschäftsleitung von dieser Reaktion überrascht ist…. Ein Angebot der Form „Danke, dass du uns 2.5 Jahre Geld geliehen hast, wir würden es jetzt gerne noch weitere 5 Jahre behalten, kürzen dir aber die Verzinsung um 60 %“ klingt halt einfach nicht wirklich prickelnd.

Auch muss man Aussagen wie „höchst erfolgreicher Geschäftsverlauf“ einfach glauben – auf der Webseite konnte ich nämlich keinerlei Dokumente finden, die diese Aussage mit handfesten Zahlen bestätigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass, vor allem im Minenfeld der Mittelstandsanleihen, solche Restrukturierungsmaßnahmen von Anleihen bei mir immer die Alarmglocken läuten lassen. Zwischen den Zeilen kann man einen solchen Wunsch nach Verlängerung nämlich auch als ein „wir haben im Dezember vermutlich nicht genug Kapital, um die Anleihe zurückzuzahlen“ interpretieren….

Nach dem Abblasen der Gläubigerversammlung ist die Anleihe jetzt wieder auf über 90% geklettert. Für die Anleger bleibt nun zu hoffen, dass wirklich alles so rosig läuft, wie die Geschäftsleitung behauptet und die Rückzahlung der Anleihe im Dezember sauber über die Bühne geht.

 

Bei der Suche nach Kapitalanlagemöglichkeiten stößt man mittlerweile auch immer wieder auf die Möglichkeit, in Pflegeimmobilien zu investieren.

Prinzipiell wohl keine so schlechte Idee, in Zeiten, in denen die Menschen immer älter werden und immer mehr Leute früher oder später Pflegebedürftig werden. Bereits heute ist es in manchen Gegenden gar nicht so einfach einen Pflege-/Heimplatz zu finden, was dafür spricht, dass die Nachfrage nach solchen Immobilien durchaus vorhanden ist.

Aus dem Mund der Anbieter klingen Pflegeimmobilien auch als DIE Möglichkeit ‚risikolos‘ Rendite einzufahren. Vor allem wird immer wieder angeführt, dass die Zahlung an den Pflegeheimbetreiber durch die Sozialversicherung über einen Versorgungsvertrag garantiert wird, wenn der Bewohner nicht über hinreichende Einkünfte verfügt.

Ein weiterer Vorteil: Nicht der Bewohner pachtet ein Zimmer, sondern der Betreiber das komplette Heim. Heißt: Selbst wenn das Zimmer leer stehen: die Miete sollte die Miete weiter fließen.

Betrachtet man sich einmal das Angebot einiger Pflegeimmobilien-Anbieter stellt man fest, dass sich solche Investitionsobjekte in ganz Deutschland finden lassen.

Klingt eigentlich alles recht einfach – allerdings muss man auch hier wachsam sein. Der Betreiber des Heimes muss solvent sein und der Betrieb muss sich für ihn auch lohnen. Was nutzt eine Pflegeimmobilie in einem Heim, dass keinen Gewinn einfährt? Solange der Pachtvertrag läuft, ist das für den Anleger wohl erstmal kein Problem. Es wird aber spätestens dann zum Problem, wenn der Betreiber das Heim nicht weiter betreiben möchte…. Ökotest hat im Jahr 2011 einen (teilweise recht kritischen) Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.

Hat jemand mit einer solchen Investition bereits Erfahrungen gemacht?

 

Am 17. Juni hat die Mox Telecom AG die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens für die Mox Telecom AG Holding beantragt. Wieder eine bitte Meldung für Freunde von Mittelstandsanleihen, denn auch die Mox Telecom hat einige Millionen von Anlegern eingesammelt. Im November 2012 wurde eine 35. Millonen Euro Anleihe mit einer Verzinsung von 7,25 % p.a. ausgegeben, von der allerdings laut Rating Zertifikat 2013 nur 25 Millionen gezeichnet wurden.

Im Gegensatz zu anderen Mittelstandspleiten, die oft mit Ansage und Kursverlusten langsam eintraten, kam diese Rettung unter den Schutzschirm bei Mox sehr überraschend. Noch Anfang Mai präsentierte man vorläufige Zahlen für das Jahr 2013, die nicht wirklich schlecht aussahen und sprach für 2014 davon, dass man ein „moderates und organisches Wachstum“ erwarte. Auch vergab Creditreform im September 2013 ein BBB Rating und im Oktober 2013 empfahl die LBBW die Aktie der Mox Telecom mit einem Kursziel von 7,20 € zum Kauf.

Warum dann die Insolvenz, wenn alles so toll läuft? Laut Presseerklärung der Mox Telecom sind daran wider Erwarten nicht verlängerte Bankverbindlichkeiten in Höhe von knapp 30 Millionen Euro schuld. Läuft wohl doch nicht alles so rund bei Mox, denn sonst hätten die Banken die Kredite wahrscheinlich eher verlängert. Einen endgültigen Jahresabschluss für 2013 gibt es bis heute noch nicht (auch keinen Termin hierfür). Dieser ist laut Finanzkalender zwar für Juni 2014 geplant, aber aufgrund der aktuellen Ereignisse rechne ich eigentlich nicht mit einer baldigen Veröffentlichung.

Der Kurs der Anleihe hat deutlich reagiert: Vormals rund um 100% ist er auf 20% abgestürzt (verständlicherweise…). Die Aktie viel von knapp 6€ auf 1,50€. Mal sehen was das Insolvenzverfahren hier noch so ans Tageslicht bringt…

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Die Lage bei der MBB Clean Energy Anleihe ist weiterhin alles andere als klar. Heute hat man in einer kurzen Mitteilung die Globalurkunde der Anleihe als unwirksam erklärt:

Die Globalurkunde der Anleihe (ISIN/WKN DE000A1TM7P0/A1TM7P) ist unwirksam. Zu diesem Ergebnis kommen zwei unabhängige Rechtsgutachten. Die Ansprüche der berechtigten Gläubiger werden bedient. Die Zinsen sind auf einem Treuhandkonto hinterlegt.

(die News ist ungekürzt übernommen…)

Der Hintergrund dieses mehr als außergewöhnlichen Vorgehens ist unklar. Aber schon die Verschiebung der Zinszahlung und die Aussetzung vom Handel (siehe hier) war ja nicht gerade ein Beispiel für Transparenz.

Falls es den als Begründung für die Verschiebung der Zinszahlung genannten Großinvestor wirklich gibt, könnte dieser neuerliche Schachzug auch wieder mit diesem zusammenhängen. Es ist z.B. denkbar, dass die Unterlagen bezüglich des angeblichen Zinsverzichtes nach wie vor nicht vorliegen, und MBB Clean Energy so die Zinsen auch für den Neuinvestor zahlen müsste (falls man das denn kann…) und auf diesem Weg versucht, das ganze Anleihengeschäft für unwirksam zu erklären.

Wirklich vertrauenserweckend wirkt das Ganze aber absolut nicht, vor allem weil die Anleihe ja weiterhin vom Börsenhandel ausgesetzt ist – auch die Versicherung, dass die Zinsen auf einem Treuhandkonto hinterlegt sind, würde mich da nur bedingt beruhigen.

Interessant wird auch der 07.06, denn zu diesem Zeitpunkt hat man laut Wertpapierprospekt §1a ein Kündigungsrecht, da zu diesem Zeitpunkt die 30 Tage Frist für die Zinszahlung abläuft:

(Nichtzahlung von Kapital oder Zinsen) die Emmittentin Forderungen aus den Schuldverschreibungen nicht innerhalb von 30 Tagen nach dem betreffenden Fälligkeitsdatum zahlt;

Ein mehr als sonderbarer Vorgang – sogar für den oftmals chaotischen Markt mit Mittelstandsanleihen.

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Sowohl von ZAMEK als auch von MIFA gibt es nicht ganz uninteressante Neuigkeiten.

Zamek hatte am 30.05. zu einer Gläubigerversammlung geladen, was im Voraus schon Diskussionen über die Terminierung an einem Brückentag gegeben hat. Auf der Versammlung war dann zu erfahren, dass die Holding (der Ausgeber der Anleihe) wohl nur über ein Grundstück mit einem Wert (laut Gutachten) von rund 13 Millionen sowie ein Gesellschafterdarlehen im Wert von 1 Million Euro verfügt. Problem des Grundstückes: Dieses wurde im Jahre 2013 von einer Tochter (die ebenfalls Insolvent ist) an die Holding übertragen. Diese Übertragung wird vom Insolvenzverwalter der Holding angefochten – mit wohl gar nicht so schlechten Chancen.
Gestern wurde dann bekannt, dass Zamek die Aufhebung der Insolvenz in Eigenverantwortung beantragen will, und so in ein normales Insolvenzverfahren unter Führung eines Insolvenzverwalters wechseln wird. Begründet wird dies mit Meinungsverschiedenheiten mit dem neu Bestellten Vertreter der Anleihegläubiger bezüglich des weiteren Vorgehens.

MIFA kann mit einem neuen Aufsichtsrat, der bei weitem kein Unbekannter ist, aufwarten: Utz Claasen. Claasen kann auf einige Top-Management-Positionen zurückschauen: Finanzvorstand von Seat, Vorstandsvorsitzender von Sartorius, Vorstandsvorsitzender der EnBW und Vorstandsvorsitzender der Solar Millenium AG.
Allerdings ist Claasen nicht unumstritten. Bei EnBW gab es Ermittlungen bezüglich Bilanzfälschung und Vorteilsgewährung, Kritik am Führungsstil und an seinem hohen Übergangsgeld beim Verlassen von EnBW. Auch sein zweimonatiger Abstecher zu Solar Millenium führte zu diversen Gerichtsverhandlungen und Kritik, vor allem an der hohen Antrittsprämie von 9 Millionen Euro und einem monatlichen Fixgehalt von 100.000 Euro. Eine solch schillernde Persönlichkeit sollte auch für die MIFA nicht ganz billig sein….

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Auf der Website der MIFA findet sich mittlerweile das Formular zur Stimmabgabe bezüglich Bestellung eines gemeinsamen Anleihevertreters sowie Stundung der Zinsen und der Verzicht auf Kündigung.

Interessantes – und zugleich mehr als peinliches Detail (Hervorhebung von mir):

MIFA_Stimmabgabeformular - PDF-XChange Viewer_2014-05-27_18-31-11Auch wenn man als Notar parallel zwei Problematische Firmen betreut (RENA und MIFA) sollte man doch in der Lage sein, die Dokumente beider Klienten sauber zu trennen…

Der Vorschlag bezüglich „Ausschluss von Kündigungsrechten“ lautet folgendermaßen:

MIFA_Stimmabgabeformular - PDF-XChange Viewer_2014-05-27_18-37-18(ja – der Tippfehler ‚Buschtabe‘ findet sich so im Originaldokument… die Rechtschreibprüfung ist wohl auch noch unentdecktes Neuland….)

Das zeigt eindeutig, was tolle Covernants in Anleihebedingungen im Zweifel wert sind: nichts. Die Buchstaben h, i und j der Anleihebedingungen sind nämlich genau die kritischen Punkte, die in der Situation der MIFA wohl zu einem Kündigungsrecht führen dürften. Die betreffenden Punkte der Anleihebedingungen:

(h) die Eigenkapitalquote weniger als 25 % beträgt,
(i) die Gemittelte-Eigenkapitalquote weniger als 30 % beträgt, oder
(j) die Gemittelte-Zinsdeckung nicht mindestens 200 % beträgt.

Auf der Webseite finden sich auch aktualisierte FERI Ratingberichte von April und Mai 2014. Im April (nach Bekanntgabe des 15 Mio. Lochs) wurde die Anleihe mit B- (hohes Ausfallrisiko) geratet, im Mai ging es dann auf ein CC (höchstes Ausfallrisiko) herab…

Mal gespannt, was aus den Abstimmungsvorschlägen der MIFA werden. Ich habe fast die Befürchtung, das Kapitel MIFA wird für die Anleihegläubiger bitter enden.

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Von der MIFA gibt es wieder eine neue Adhoc, die mich doch etwas zum Nachdenken bringt. Das die MIFA ein paar Probleme (dank mangelnder Bilanzierungsfähigkeiten) hat wissen wir ja leider seit längerem. Seit kurzem ist bekannt, dass HERO zwar irgendwie als Retter auftauchen möchte, gleichzeitig aber einen empfindlichen Haircut im Bezug auf die 25 Millionen Anleihe (siehe hier) fordert.

Dazu passt die heute veröffentlichte News der MIFA. In dieser bringt die MIFA folgende Vorschläge zur Abstimmung:

  • Bestellung eines gemeinsamen Anleihenvertreters
  • Stundung der am 12.08.2014 fälligen Zinsen
  • Ausschluss von Kündigungsrechten bis zum 31.10.2014

Der Abstimmungszeitraum läuft vom 10.06.2014 bis 13.06.2014. Ganz ehrlich: Ich würde diesen Vorschlägen nicht zustimmen… (Wobei ich zugeben muss, dass mir diese Aussage als nicht Investierter entschieden einfacher fällt).

Punkt 1, der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, ist zwar ein sinnvoller Vorschlag – allerdings widerstrebt es mir in solch eine prekären Geschäftssituation, in der sich die MIFA in meinen Augen befindet, in diesem Punkt dem Vorschlag des Schuldners (= MIFA) das nötige Vertrauen zu schenken. Hier würde ich mich als Gläubiger einfach nicht vertreten fühlen, da die Gefahr doch zu groß ist, dass der Bevollmächtigte den Vorschlägen dessen folgt, der ihn überhaupt ins Spiel gebracht hat.

Punkt 2 ist etwas, was ich in meinem letzten Eintrag schon vermutet habe: Die MIFA kann/will die Zinsen der Anleihe nicht zahlen. Das ist in sofern etwas erschreckend, als dass es die erste Zinszahlung der MIFA überhaupt wäre – die Anleihe wurde immerhin erst im August 2013 ausgegeben – und da wusste noch niemand (der die Anleihe gezeichnet hat), dass der Karren so tief im Dreck steckt…

Punkt 3 ist zwar aus Seiten der MIFA verständlich, führt allerdings die Covernants der Anleihe absurdum. Warum veröffentlich man überhaupt eine Anleihe, die Kündigungsrechte für bestimmte (schlechte) Situationen vorsieht, wenn man in just diesem Augenblick von den Anlegern fordert, auf diese vertraglichen Kündigungen zu verzichten? In meinen Augen sind in solch einem Fall die Kündigungsrechte der Anleihenbedingungen das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt sind.
Klar hat die MIFA aktuell große Probleme – allerdings beziehen sich ein Großteil der Kündigungsrechte eben genau auf solche problematischen Situationen. Und was bringt mir ein Kündigungsrecht für prekäre Situationen, wenn man genau dann gebeten wird, es nicht zu ziehen – zum Wohle der Firma?

Die ganze MIFA Geschichte hat für mich einen sehr schalen Beigeschmack…. Wie es jetzt aussieht, waren ein Großteil der Versprechungen und Zahlen zum Beginn der Anleiheemission einfach nur falsch, wie man jetzt, nur knapp 9 Monate nachdem man 25 Mio. an Geldern eingesammelt hat, feststellt. Man präsentiert nun zwar einen „weißen Ritter“ in Form der HERO, die den Fortbestand der Firma sichern soll, verlang aber extrem hohe Zugeständnisse der Anleger – an deren Stelle ich mich schon irgendwie hinters Licht geführt fühlen würde….

Spannendes (und trauriges, falls man investiert ist) Thema….

 

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Gestern hat die MIFA in einer Adhoc mitgeteilt, dass eine Investmentvereinbarung mit HERO (bzw. einer HERO Tochterfirma, der OPM Global B.V.) geschlossen wurde.

Diese Vereinbarung sieht eine Eigenkapitalbeteiligung von Hero in Höhe von 15 Millionen Euro vor.  Am Ende könnte dies zu einer HERO Beteiligung von bis zu 47 % an der MIFA führen. Allerdings ist diese Vereinbarung an zwei (aufschiebende) Bedingungen seitens HERO gekoppelt:

  • die Anleihegläubiger sollen einem Rückforderungsverzicht in Höhe von 15 – 20 Millionen akzeptieren
  • eine Befreiung seitens der BaFin von der Pflicht zur Abgabe eines öffentlichen Übernahmeangebots

Vor allem der erste Punkt ist für die Anleihegläubiger ein harter Vorschlag. Wenn man das Bondvolumen von 25 Millionen betrachtet, heißt der Vorschlag, dass man einem Haircut von 60 – 80 % zustimmen soll (plus wohl ausfallender Zinsen…)! Das erweckt schon nicht mehr so wirklich den Eindruck einer Rettung (aus Sicht eines Bondhalters) – 20 % erreicht man vielleicht auch noch in einem Insolvenzverfahren. Aktuell rangiert die Anleihe rund um 27 % – was für meinen Geschmack bei diesen Aussichten fast noch zu hoch ist…

Hier bin ich wirklich gespannt, ob die Anleihengläubiger diese bittere Pille schlucken….

 

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mifaBereits im März schockte die MIFA ja mit einer Ad-hoch-Mitteilung über einen Jahresfehlbetrag in Höhe von rund 15 Millionen Euro – heute kommt es noch schlimmer.

Nachdem man sich das eigene Zahlenwerk genauer betrachtet hat, hat man wohl festgestellt, dass die Erstellung von Jahresabschlüssen nicht zu den Stärken der MIFA gehört. Auch die Begründung in der ersten Ad-hoc, dass die Fehlbuchungen (welche die Verluste begründeten) durch die Einführung eines neuen Buchungssystems entstanden sind, scheint nicht so ganz korrekt gewesen zu sein… Jetzt hat man nämlich festgestellt, dass auch in den letzten Jahresabschlüsse die Bilanzposten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie fertige Erzeugnisse falsch erfasst wurden. So sind bereits in der Vergangenheit Verluste in Höhe von 19 Millionen entstanden. Mit dem neuen 15 Millionen Loch führt das zu einem Bilanzverlust zum 31.12.2013 in Höhe von netten 29 Millionen (bei einem Umsatz von 108 Millionen).

Zwar scheint HERO wohl immer noch an der 15 Millionen Beteiligung interessiert zu sein, allerdings mit einer Einschränkung, die für die Anleihengläubiger alles andere als gut klingt:

Als Voraussetzung für ihr Investment erwartet HERO jedoch insbesondere erhebliche Finanzierungsbeiträge der relevanten Finanzierungspartner der MIFA. Diesbezüglich bereitet sich der Vorstand der MIFA auf intensive Abstimmungen mit den relevanten Finanzierungspartnern vor. Auch mit den Anleihegläubigern soll das Gesamtrestrukturierungskonzept abgestimmt werden. Eine Einladung zu einer Gläubigerversammlung wird voraussichtlich in den kommenden Wochen erfolgen.

Das klingt leider ganz nach einem Schuldenschnitt für die Anleihengläubiger.

Nach diesen neuen entdeckten Fehlbeträgen dürfte zwar recht klar sein, dass einige Covenants (Zinsdeckung / Kapitalquote) der Anleihe verletzt wurden, was zu einem Sonderkündigungsrecht für Anleihengläubiger führt, aber bringen wird es den Gläubigern wohl nicht so viel – das für eine Auszahlung der Anleihe noch irgendwelche Gelder verfügbar sind, ist mehr als nur fraglich.

Wohl dem, der nach der ersten Ad-hoc seine Verluste realisiert hat (zuletzt lag die Anleihe um die 60%) – denn nach dieser neuerlichen Meldung ging es steil nach unten, auf aktuell 35,75 %.

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