Lange wurden Mittelstandsanleihen als eine Art „Geheimtipp“ in Zeiten niedriger Verzinsungen gehandelt. Nirgendwo sonst gab es schließlich so hohe (6 – 8 % sind eher die Regel als die Ausnahme) regelmäßige Zinszahlungen, verknüpft mit einer 100%igen Kapitalrückzahlung am Laufzeitende – zumindest in der Theorie. Auf dem Papier las sich das alles immer ganz toll und auch die Ratings (durch CreditReform, Euler Hermes etc.) waren meist im BBB Bereich, also noch „Investment Grade“, angesiedelt.

Allerdings hat die letzte Zeit doch mehr als deutlich gezeigt, dass auch bei Mittelstandsanleihen gilt: Hohe Zinsversprechen bringen ein hohes Risiko mit sich. In Zeiten, in denen Festgelder mit einer Laufzeit von 5 Jahren bei einer Verzinsung von unter 3 % verharren, sind Zinsversprechen von 6 bis 8 % mehr als nur über dem Durchschnitt – und so auch das Risiko.

Anfangs waren es fast durch die Bank Emittenten aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, die ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen konnten und in die Insolvenz mussten. Mittlerweile ziehen sich die Probleme und Ausfälle aber quer durch alle Branchen hindurch. Nur drei Beispiele:

Im November 2013 musste der Onlinehändler getgoods.de Insolvenz anmelden, nachdem erst im September 2012 eine mit 7.75 % p.a. verzinste 30 Mio. € Anleihe ausgegeben wurde, welche im Juni 2013 sogar noch um 10 Mio. aufgestockt wurde. Hier wurde also nicht einmal das erste Jahr heil überstanden. Aktueller Kurs der Anleihe: ca. 4 %.

Im Dezember 2013 meldete die hkw Personalkonzepte Insolvenz an. Hier wurde im September 2011 eine 10 Mio. Euro Anleihe mit einem Kupon von 8.25 % ausgegeben. Im Falle der hkw war aber wohl weniger der geschäftliche Misserfolg als kriminelle Energie der Grund für die Insolvenz: die Anleihengelder wurden von einem der Geschäftsführer ungesichert an verbundene Unternehmen weitergereicht und nach Eröffnung der Insolvenzverfahrens wurde ein von ihm aufgenommener, nicht bilanzierter Kredit in Höhe von 5.85 Mio. entdeckt. Ob Betrug oder nicht – das Geld der Anleger ist weg. Aktueller Anleihenkurs: ca. 2 %.

Neustes Opfer der Mittelstandspleiten: Zamek, ein Hersteller von Suppen, Saucen, Brühen und Fertiggerichten musste am 25. Februar die Insolvenz verkünden. Auch hier wurde erst im Mai 2012 eine Mittelstandsanleihe mit einem Volumen von 45 Mio. Euro und einem Kupon von 7.75 % p.a. aufgelegt.

Bei manchem Anbieter kam es erst gar nicht bis zur Anleiheemission. Der Hersteller von Motorradbekleidung Hein Gericke hatte eigentlich für Ende Oktober 2013 die Emission einer 16 Mio. Euro Anleihe mit einer Verzinsung von 8.25 % geplant. Nach dem diese einen Tag vor Zeichnungsbeginn auf „später im vierten Quartal“ verschoben wurde, folgte hier Mitte Dezember dann statt der Anleihe der Insolvenzantrag.

Andere Emittenten kämpfen mit großen Problemen und Risiken, die man auch gut an den aktuellen Kursen mancher Anleihen ablesen kann.
Die Ratingagentur Euler Hermes senkt den Daumen über den Maschinenbauer RENA auf CC, nachdem dieser einige Tochtergesellschaften in die Insolvenz schickte. Resultat: Die Anleihen der RENA GmbH gehen auf Sturzflug. Die 40 Mio. Anleihe mit Fälligkeit in 2018 datiert aktuell bei ca. 25%, die 75 Mio. Anleihe bis 2015 bei ca. 30 %.

Der Modehersteller Strenesse musste bei seinen Gläubigern um eine Verlängerung der eigentlich im März fälligen 12 Mio. 9 % Anleihe bitten. Die Anleihengläubiger stimmten zu, Strenesse hat jetzt bis 2017 Zeit das Geld zusammenzukratzen. Ob das gelingt? Aufgrund der nicht gut aussehenden Unternehmenszahlen hege ich hier doch einige Zweifel. Aktueller Anleihenkurs: ca. 50 %

Auch andere Anleihen, wie die von mir kritisch beäugte posterXXL Anleihe (aktueller Stand ca. 44 %) sind weit von „normalen“ 100 % Kursen entfernt.
Überraschend gut steht aktuell die ALNO Anleihe, die aktuell bei ca. 85 % rangiert, wenn man bedenkt, dass ALNO doch harte Restrukturierungszeiten hinter sich hat…

Was soll man davon lernen? Einfache Regel: Wenn jemand freiwillig Zinsen von 8% zahlt, ist oftmals nicht alles so toll wie der Prospekt es versucht darzustellen. Vor einer Investition in Mittelstandsanleihen sollte man sich deutlich vor Augen führen, dass das Risiko um einiges höher ist als bei anderen Anlageformen – deshalb auch die höhere Verzinsung. Auch ist die Informationslage bei kleinen Mittelständlern oftmals viel schlechter als bei großen, Börsennotierten Konzernen. Hier erfährt man als Anleger schlechte Nachrichten erst, wenn es zu spät ist.

 

2 Responses to Minenfeld Mittelstandsanleihen

  1. Stephan sagt:

    Ja, in letzter Zeit häufen sich die Pleiten und Probleme echt. Auch die MS Deutschlandanleihe macht mir nicht den gesundesten Eindruck. Wirklich kein ungefährliches Anlagesegment.

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