Die Zahl der Insolvenzen im Bereich der Emittenten von Mittelstandsanleihen erhöht sich schon wieder – diesmal gleich um zwei in kurzer Zeit.

Am 08.10.2014 hat die MT-Energie GmbH den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt nachdem bereits am 02.10.2014 die Golden Gate GmbH den identischen Weg eingeschlagen hat.

Die MT-Energie GmbH ist ein Betrieb aus der rauen „Erneuerbare-Energien-Branche“ und hat sich auf Vertrieb und Entwicklung von Biogasanlagen sowie Biogaskomponenten spezialisiert. Im Jahre 2012 wurde eine 5 jährige Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro und einem Zinskupon von 8.25 % auf den Markt gebracht. Bis zum Juli 2012 konnten allerdings nur 13,6 Millionen € dieser Anleihe platziert werden.

In schwererem Fahrwasser war die MT-Energie schon länger – der Anleihenkurs lag in den letzten 12 Monaten nur kurz einmal über 50 %. Eigentlich wurde in den ursprünglichen Anleihebedingungen ein Sonderkündigungsrecht bei Fall der Eigenkapitalquote unter 20 % gewährt. Diese Quote konnte allerdings in 2013 nicht erfüllt werden und im April 2014 einigte man sich mit den Anleihengläubigern, auf dieses Sonderkündigungsrecht vorerst zu verzichten.

Gebracht hat es wenig – mit der Insolvenz ist es wiedermal sehr fraglich, ob die Anleihegläubiger mehr als nur einen kleinen Bruchteil ihres Investments zurückerhalten. Die Börse glaubt nicht wirklich daran – der Kurs der Anleihe dümpelt aktuell bei 5 %.

Während die Insolvenz der MT-Energie als „klassischer Fall“ zu bezeichnen ist (Ausfall während der Anleihenlaufzeit aufgrund schlechter Geschäftslage), ist der Fall der Golden Gate GmbH, welche sich auf die Entwicklung von Gesundheits- und Wohnimmobilien spezialisiert hat, etwas anders gelagert und verspricht für die Zukunft wenig Gutes.

Die Anleihe der Golden Gate GmbH in Höhe von 30 Millionen € wurde im Frühjahr 2011 mit einem Kupon von 6,5 % ausgegeben (und vollständig platziert). Geplanter Rückzahlungstermin: 11.10.2014 – also knapp 1 Woche nachdem nun der Insolvenzantrag erfolgte. Noch im Mai wurde die Anleihe von der Credit-Reform mit BB (nach einem BBB bei Auflage) geratet.

Hier zeigt sich ein Problem, welches in Zukunft wohl noch öfter auftreten könnte: Rückzahlungen von Anleihen benötigen Cash. Auch bei der Golden Gate war klar, dass die Anleihe nur durch den Verkauf einer Großimmobilie oder durch eine Anschlussfinanzierung realisiert werden konnte. Im Falle der Golden Gate war der Plan, die erworbene ehemalige Bundeswehrklinik in Leipzig zu Geld zu machen um die Anleihe zurückzuzahlen – was aber nicht gelang. So stand man nun im Oktober vor dem Problem der Forderung über knapp 32 Millionen € (Anleihe plus letzte Zinszahlung) ohne ausreichend Cash in der Hand zu haben –> Insolvenz.

Ich befürchte, solche Situationen sehen wir in Zukunft leider öfter. Laut Scope laufen bis 2018 Mittelstandsanleihen in Höhe von 5,4 Milliarden € aus. Hier dürften dann viele Firmen vor dem Problem der Golden Gate stehen: Woher da Geld nehmen?
Richtig erfolgreiche Unternehmen können aktuell günstig refinanzieren – siehe z.B. am Beispiel von Dürr. Hier wurde die 7,25 % Anleihe vorzeitig gekündigt, nachdem man eine neue Anleihe mit einem mickerigen Kupon von 2,875 % platzieren konnte. Viele Wackelunternehmen dürfte diese Möglichkeit allerdings nicht haben. Wenn die Zinsen zwar irgendwie bezahlt werden können, der Erlös der Anleihe aber komplett investiert ist, steht man unter Umständen zum Rückzahlungstermin vor einem richtigen Problem….

Hoffen wir mal, dass dieses Problem nicht wirklich Schule macht.

 

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