Barclays Zinsgarantie für Anleger der ersten Stunde endet

Ende März dürfte für einige Sparer die Barclays Zinsgarantie auf das Tagesgeldkonto enden. Wir erinnern uns: Vor 3 Jahren ging die Barclays mit einem sehr gutem Angebot auf den Markt, welches Kunden eine dreijährige Zinsgarantie in Höhe von Leitzins + 1,75 % versprach. Sprich: Selbst aktuell wartet das Tagesgeldkonto noch mit einem, für Tagesgeldverhältnisse, unschlagbarem Zinssatz von 1,8 % auf.

Nun dürften sich einige Fragen: Wohin nun mit dem Geld? Das Anschlussangebot von Barclays ist mit Leitzins + 0,75 % zwar besser als die Standardkonditionen, aber trotzdem rund 1 % schlechter als das auslaufende Angebot.

Das Problem: Aktuell gibt es eigentlich nirgends mehr Konditionen, die großartig über der 1% Marke liegen. Wer noch eine gewisse Sicherheit will, kann (sofern Neukunde) das Angebot der ConsorsBank (ehemals Cortal Consors) wahrnehmen: hier gibt es garantierte 1,1 % für 12 Monate (bis 50.000 €). Ansonsten sieht es relativ schlecht aus auf dem Tagesgeldmarkt.

Auch Festgelder sind keine wirklich Alternativ. Um hier Zinsen über 1,8 % zu erreichen, muss man sein Geld schon 3 Jahre binden und sein Geld Banken mit russischen Wurzeln (Sberbank, VTB Bank) anvertrauen.
Bei Laufzeiten von nur einem Jahrwerden aktuell von den Spitzenanbieter auch nur 1,4 % gezahlt.

Als konservativer Sparer hat man es im aktuellen Umfeld nach wie vor sehr schwer….

 

MBB Clean Energy – Reperatur stock

Im Oktober machte die MBB Clean Energy den Anleihengläubigern etwas Hoffnung, denn man informierte über Reparaturmaßnahmen an der ungültigen Anleihe. Der Plan war, die ungültige Globalurkunde durch eine neue (inkl. neuer ISIN) zu ersetzen. Passiert ist bis jetzt nicht viel sichtbares, außer dass am 25.11 eine neue Pressemitteilung über Probleme informierte:

  • Der Reparaturprozess, verursacht durch zwei formunwirksame Globalurkunden, stockt derzeit. Ursprünglich sollte der Vorgang, samt Übertragung in eine wirksame Form, bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Dieser avisierte Termin wurde nun erneut verschoben.
  • Die technischen Dokumente für den Start des Reparaturprozesses liegen seit Mitte Oktober in einer Form vor, in der diese innerhalb weniger Tage finalisiert werden könnten.
  • Die MBB Clean Energy AG verfügt über die notwendigen Versicherungen, welche auch den Reparaturprozess abdecken.
  • Der MBB Clean Energy AG ist es jedoch ohne das konstruktive Miteinander der involvierten Parteien nicht möglich, diesen Prozess zu starten.
  • Die MBB Clean Energy AG verfolgt weiterhin das Ziel, sämtliche Blockaden für das Unternehmen abzubauen und die Verpflichtungen gegenüber den Investoren zu erfüllen.

Die nunmehr verwendete Zeitspanne für die Reparatur beträgt annähernd 6 Monate. Die MBB Clean Energy AG wird weiter mit aller Kraft an der Reparatur arbeiten, ist jedoch leider nicht in der Position, hier entscheidenden Einfluss zu nehmen.

Diese Mitteilung ist nicht mit den Parteien des Prozesses, dem Bankhaus Gebr. Martin AG und der Clearstream Banking AG abgestimmt.

Das klingt jetzt alles nicht so wirklich positiv… Da scheint es hinter den Kulissen doch ziemliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den beteiligten Parteien zu geben. Der Umtausch Ungültig gegen Gültig scheint wohl doch nicht so einfach zu funktionieren, wie man sich das erhofft hat….

Es bleibt spannend – wobei bei solch einem zerstrittenen Verhältnis (Pressemitteilungen bei denen explizit drauf hingewiesen wird, dass sie mit anderen beteiligten Stellen nicht abgestimmt sind zeugen schon von ziemlichem Streit…) nur selten am Ende noch etwas gutes bei rauskommt.

MBB Clean Energy – lichtet sich das Dunkel?

Wir erinnern uns: Seit einiger Zeit liegt die Anleihe der MBB Clean Energy AG wie ein Stein in den Depots der Anleger, da die Anleihe seit Mai vom Handel ausgesetzt ist.

Eigentlich hätte im Mai sollen eine Zinszahlung der mit 6,25 % Verzinsten Anleihe erfolgen – allerdings wurde diese Zahlung aus “technischen Gründen” ausgesetzt und später die Globalurkunde der Anleihe für unwirksam erklärt.

Am 14.10. nun informierte die MBB Clean Energy in einer Pressemitteilung über Reparaturmaßnahmen an der Anleihe.

So soll die ungültige Globalurkunde durch eine neue (hoffentlich dann gültige…) Globalurkunde mit neuer ISIN ersetzt werden. Diese neuen Papiere sollen dann berechtigte Anleger erhalten. AUch scheint man die ausgesetzten Zinsen zahlen zu sollen:

Diese berechtigten Anleger sollen im Rahmen der Reparaturmaßnahme auch unter den bisherigen 6,25% Schuldverschreibungen 2013/2019 fällige Zinsen erhalten.

Details über diesen Prozess sollen betroffene über ihre Depotbank erhalten. Sind wir mal gespannt, ob das ganze alles reibungslos (inkl. Zahlung der ausgesetzten Zinsen) von statten geht.

 

Sberbank – Geldanlage mit russischen Wurzeln

sberbank directMit der Sberbank Direct hat im August 2014 ein neuer Anbieter von Tages- und Festgeldangeboten den deutschen Markt betreten. Hierbei handelt es sich allerdings mal wieder nicht um eine deutsche Bank, sondern um eine Marke der österreichischen Sberbank Europe, die wiederum eine 100 prozentige Tochter der Sberbank of Russia ist.

Die Sberbank of Russia wurde im Zuge der Ukrainekrise von den USA und der EU auf eine Sanktionsliste gesetzt (auf der sich z.B. auch die russische VTB befindet). Allerdings hat dies für deutsche Anleger keine unmittelbare Folge – für uns ist die österreichische Tochter und nicht die russische Mutter zuständig. Auch in Sachen Einlagensicherheit und Co ist der österreichische Einlagensicherungsfonds zuständig – der wie überall in Europa Einlagen bis zu 100.000 Euro absichert.

Die Produktpalette der Sberbank ist recht überschaubar mit genau zwei Produkten: Tagesgeld und Festgeld.

Die Konditionen sind (für die aktuellen Marktverhältnisse) gar nicht so übel. Aktuell wird die Tagesgeldanlage mit 1,3 % pro Jahr (inkl. Neukundenbonus von 0,1 %) verzinst. Dieser Zinssatz ist bis zum 31.12.2014 garantiert. Mindesteinlage gibt es keine und die Zinsen werden, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, vierteljährlich ausgezahlt.

Das Festgeldangebot splittet sich in vier Angebote mit unterschiedlichen Laufzeiten (12, 24, 36, 48 Monate) auf. Allen Angeboten gleich ist die nötige Mindestanlage in Höhe von 1.000 Euro und die jährliche Zinsgutschrift auf das Tagesgeldkonto. Auch die Festgeldkonditionen sind gar nicht so schlecht:

Laufzeit Verzinsung p.a.
12 Monate 1,4 % p.a.
24 Monate 1,5 % p.a.
36 Monate 2,2 % p.a.
48 Monate 2,2 % p.a.

Bei den langen Laufzeiten (36 und 48 Monate) liegt die Sberbank mit diesen Konditionen ganz vorne, aber auch die kürzen Angebote wissen mit Konditionen im vorderen Bereich (verglichen mit Mitanbietern) zu überzeugen.

Im aktuellen Umfeld sind die Angebote der Sberbank sicher eine Überlegung wert. Hinter der Bank steht zwar eine russische Mutter, welche in der aktuellen politischen Lage mit Sanktionen zu kämpfen hat, allerdings ist nicht die russische Mutter selbst sondern der österreichische Ableger (Sberbank Europe) für die auf dem deutschen Markt angebotenen Produkte zuständig.

Es ist Pleitezeit – zwei weitere Emittenten von Mittelstandsanleihen insolvent

Die Zahl der Insolvenzen im Bereich der Emittenten von Mittelstandsanleihen erhöht sich schon wieder – diesmal gleich um zwei in kurzer Zeit.

Am 08.10.2014 hat die MT-Energie GmbH den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt nachdem bereits am 02.10.2014 die Golden Gate GmbH den identischen Weg eingeschlagen hat.

Die MT-Energie GmbH ist ein Betrieb aus der rauen „Erneuerbare-Energien-Branche“ und hat sich auf Vertrieb und Entwicklung von Biogasanlagen sowie Biogaskomponenten spezialisiert. Im Jahre 2012 wurde eine 5 jährige Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro und einem Zinskupon von 8.25 % auf den Markt gebracht. Bis zum Juli 2012 konnten allerdings nur 13,6 Millionen € dieser Anleihe platziert werden.

In schwererem Fahrwasser war die MT-Energie schon länger – der Anleihenkurs lag in den letzten 12 Monaten nur kurz einmal über 50 %. Eigentlich wurde in den ursprünglichen Anleihebedingungen ein Sonderkündigungsrecht bei Fall der Eigenkapitalquote unter 20 % gewährt. Diese Quote konnte allerdings in 2013 nicht erfüllt werden und im April 2014 einigte man sich mit den Anleihengläubigern, auf dieses Sonderkündigungsrecht vorerst zu verzichten.

Gebracht hat es wenig – mit der Insolvenz ist es wiedermal sehr fraglich, ob die Anleihegläubiger mehr als nur einen kleinen Bruchteil ihres Investments zurückerhalten. Die Börse glaubt nicht wirklich daran – der Kurs der Anleihe dümpelt aktuell bei 5 %.

Während die Insolvenz der MT-Energie als „klassischer Fall“ zu bezeichnen ist (Ausfall während der Anleihenlaufzeit aufgrund schlechter Geschäftslage), ist der Fall der Golden Gate GmbH, welche sich auf die Entwicklung von Gesundheits- und Wohnimmobilien spezialisiert hat, etwas anders gelagert und verspricht für die Zukunft wenig Gutes.

Die Anleihe der Golden Gate GmbH in Höhe von 30 Millionen € wurde im Frühjahr 2011 mit einem Kupon von 6,5 % ausgegeben (und vollständig platziert). Geplanter Rückzahlungstermin: 11.10.2014 – also knapp 1 Woche nachdem nun der Insolvenzantrag erfolgte. Noch im Mai wurde die Anleihe von der Credit-Reform mit BB (nach einem BBB bei Auflage) geratet.

Hier zeigt sich ein Problem, welches in Zukunft wohl noch öfter auftreten könnte: Rückzahlungen von Anleihen benötigen Cash. Auch bei der Golden Gate war klar, dass die Anleihe nur durch den Verkauf einer Großimmobilie oder durch eine Anschlussfinanzierung realisiert werden konnte. Im Falle der Golden Gate war der Plan, die erworbene ehemalige Bundeswehrklinik in Leipzig zu Geld zu machen um die Anleihe zurückzuzahlen – was aber nicht gelang. So stand man nun im Oktober vor dem Problem der Forderung über knapp 32 Millionen € (Anleihe plus letzte Zinszahlung) ohne ausreichend Cash in der Hand zu haben –> Insolvenz.

Ich befürchte, solche Situationen sehen wir in Zukunft leider öfter. Laut Scope laufen bis 2018 Mittelstandsanleihen in Höhe von 5,4 Milliarden € aus. Hier dürften dann viele Firmen vor dem Problem der Golden Gate stehen: Woher da Geld nehmen?
Richtig erfolgreiche Unternehmen können aktuell günstig refinanzieren – siehe z.B. am Beispiel von Dürr. Hier wurde die 7,25 % Anleihe vorzeitig gekündigt, nachdem man eine neue Anleihe mit einem mickerigen Kupon von 2,875 % platzieren konnte. Viele Wackelunternehmen dürfte diese Möglichkeit allerdings nicht haben. Wenn die Zinsen zwar irgendwie bezahlt werden können, der Erlös der Anleihe aber komplett investiert ist, steht man unter Umständen zum Rückzahlungstermin vor einem richtigen Problem….

Hoffen wir mal, dass dieses Problem nicht wirklich Schule macht.

MIFA – auf zwei Rädern in die Pleite

Da ist sie nun – die Insolvenz der MIFA. Die letzten Monate waren für Investierte (seihen es Anleihegläubiger oder Aktionäre) bei der MIFA nicht ganz einfach… Erst findet man einen Fehler in der Bilanz, der zu einem Loch von 15 Millionen Euro führt, dann findet man noch weitere, so dass das Loch auf 28 Millionen anwächst. Dann präsentiert man im Mai eine scheinbare Rettung in Form des indischen Fahrradherstellers HERO, der 15 Millionen in die MIFA investieren wollte. Im August rang man den Anleihegläubigern dann eine Stundung der am 12. August fälligen Zinsen ab.

Gegen Ende August wollte die MIFA dann im Rahmen einer Grundlagenvereinbarung noch mehr Zugeständnissen der Anleihegläubiger. Es sollte über einen Forderungsverzicht in Höhe von 15 Millionen seitens der Anleihegläubiger zugunsten einer Sachkapitalerhöhung in Neue Aktien (Dept-Equitiy-Swap) abgestimmt werden. Ebenso sollten auf die Zinsen der Periode 08/13 – 08/14 komplett verzichtet werden (also nicht nur eine Stundung) und die Laufzeit der Anleihe sollte, bei einer Senkung des Zinses um 1 % (auf 6,5 %), um 3 Jahre auf 2021 verlängert werden. Als Gegenleistung war das Bezugsrecht auf Neue Aktien, nach einem Kapitalschnitt im Verhältnis 1:100, auf dem Tisch.

Danach folgten noch ernüchternde Geschäftszahlen für 2013 (mit einem finalen Bilanzverlust von 29,6 Millionen Euro), und die Meldung über ein Miniplus im ersten Quartal 2014 (dass nach Abzug des negativen Finanzergebnisses allerdings auch ins Negative kippte), verbunden mit einem negativen Ausblick auf das zweite Quartal.

Am 29.09.2014 gab es dann die Ad hoc, dass ein Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals eingetreten ist und das Eigenkapital im Halbjahresabschluss voraussichtlich negativ sein wird.

Am selben Tag folgte auch die Meldung bezüglich der Insolvenz in Eigenverantwortung. Grund:

Ein wesentlicher Bestandteil der Grundlagenvereinbarung, die am 22. August mit der OPM Global B.V., einer Tochtergesellschaft des indischen Fahrradherstellers Hero Cycles Ltd., und der One Square Advisory Services GmbH, dem Gemeinsamen Vertreter aller Anleihegläubiger der MIFA-Anleihe 2013/18 (WKN: A1X25B / ISIN: DE000A1X25B5), zur finanziellen Sanierung der MIFA geschlossen wurde, konnte nicht wie zugesagt umgesetzt werden.

Die Punkte, die man von den Anleihegläubigern forderte waren mit einem Forderungsverzicht von 15 Millionen (bei einem Volumen von 25 Millionen) plus Zinsverzicht auch nicht so ganz ohne. Allerdings geht aus der Meldung leider nicht hervor, an welchem Punkt es nun genau gescheitert ist.

Glaubt man einem Artikel von Handelsblatt Online, war die Rolle der Inder auch mehr als Zweifelhaft:

Doch das Geschäft kam nach Handelsblatt-Informationen bisher nicht zustande. Im Gegenteil: Die indischen Verhandlungspartner hätten sich genau umgeschaut, heißt es aus Kreisen des Mifa-Vorstands. Sie hätten sich Fertigungsprozesse und Know-how abgeschaut und bei dem Bau einer neuen Fabrik in Indien angewandt. Die Rede ist von Wirtschaftsspionage im großen Stil. Kopieren statt kaufen, so lautet der Vorwurf, zu dem Hero bisher nicht Stellung nahm. (Quelle)

Wie dem auch sei – aus Sicht des Mittelstandsanleihenmarktes geht wieder eine Anleihe mit einem Volumen von 25 Millionen vor die Hunde. Und auch hier hat es nicht einmal zur ersten Zinszahlung für die Gläubiger gereicht….

Rena Lange – Another one bites the dust

Nachdem es nun längere Zeit keine neue Pleite vom Mittelstandsmarkt zu vermelden gab, hat sich nun eine weitere Unternehmen in die Insolvenz begeben: Rena Lange.

Rena Lange ist eine weitere Firma, die im Jahre 2013 eine Mittelstandsanleihe ausgab, aber nicht einmal das erste Jahr der bis 2017 geplanten Anleihe überlebte. Die Mittelstandsanleihe sah ein Volumen von bis zu 10 Millionen Euro vor und war mit einem 8% (bei vierteljährlicher Zinszahlung) Coupon versehen. Von den geplanten 10 Millionen konnten allerdings bis zum Zeichnungsende nur 5,4 Millionen Euro platziert werden. Zum 12.09. wäre die dritte Quartals-Zinszahlung fällig – welcher man allerdings mit der Insolvenz am 09.09. zuvorkam.

Zur Zeichnung war die Anleihe mit einem BB- Rating von Creditreform versehen. Dieses Rating wurde zum 11.07.2014 seitens Creditreform vorläufig ausgesetzt. Begründung von Rena Lange:

Diese Maßnahme basiert auf noch fehlenden Daten unter anderem zum Jahresabschluss 2013/2014, die aufgrund einer kurzfristigen personellen Sondersituation bei Rena Lange leider noch nicht geliefert werden konnten. Die Gesellschaft arbeitet daran, zeitnah alle offenen Informationen zu liefern.

Im Nachhinein lässt sich hier vermuten, dass es vielleicht auch noch andere Gründe gab – denn zu diesem Zeitpunkt hätten sich die Probleme eigentlich schon abzeichnen müssen.

Interessanterweise gibt es seitens Rena Lange keinerlei Erklärung für die Insolvenz – die durchaus etwas überraschend kam. Die Presseerklärung zur Insolvenz ist auch sehr kurz gehalten:

Die Geschäftsleitung informiert, dass am heutigen Abend ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung über das Vermögen der RENA LANGE HOLDING GmbH sowie ein Insolvenzantrag im Regelverfahren über das Vermögen der 100%igen Tochtergesellschaft M. Lange & Co GmbH beim Insolvenzgericht München eingereicht worden sind.

Die Geschäftsführer und die Gesellschafterseite gehen davon aus, dass sehr kurzfristig ein vorläufiger Insolvenzverwalter bzw. Sachwalter bestellt wird, der die Fortführung des operativen Geschäftsbetriebes sowie der Holdingstruktur sicherstellt.

Zuletzt gab es im Juni noch ein Anleihen-Studio der Acon Group welche zu einem BUY als Fazit kam. Allerdings hat diese Studie einen fetten Beigeschmack – schließlich war es die Acon Actienbank, die diese Anleihe an die Börse gebracht hat. Ob das jetzt wirklich eine so objektive Beurteilung war….

Mal gespannt, ob hier noch eine paar Gründe der Insolvenz kommuniziert werden.

Hin und Her bei der Maritim Vertriebs GmbH

Die Maritim Vertriebs GmbH hat in den letzten Tagen für ein paar Irritationen auf dem Mittelstandsanleihenmarkt gesorgt.

Die Maritim Vertriebs GmbH hat aktuell eine 25 Millionen Anleihe (DE000A1MLY97), welche mit einem Kupon in Höhe von 8.25% p.a. versehen ist, ausstehen. Die Anleihe wurde im Juni 2012 mit einer Laufzeit von 30 Monaten aufgelegt (sprich: sie ist zum Dezember 2014 fällig) und es konnten bis zur Schließung im Januar 2013 ca. 20 Millionen der Anleihe platziert werden.

Seit ihrer Auflage rangierte die Anleihe durchweg bei rund 95 % und machte auch sonst wenig von sich hören – auch nicht mit fundierten Zahlen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Jahresabschluss zum 31.12.2012 auf der Homepage bereitgestellt, der einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 1 Million € ausweist.

Völlig überraschend präsentierte man am 29.07.2014 nun eine Einladung zur Gläubigerversammlung. Idee der Maritim Vertriebs GmbH: man wolle auf die anstehende Rückzahlung der Anleihe am 1. Dezember 2014 verzichten und stattdessen die Laufzeit der Anleihe – bei einem verringerten Kupon von 3,25% p.a. – um weitere 5 Jahre bis zum 1. Dezember 2019 verlängern. Grob begründet wird dies in der Einladung mit:

Vor dem Hintergrund, dass die von der Emittentin gehaltenen Beteiligungen an Einschiffsgesellschaften nach der Sanierungsphase derzeit jeweils einen höchst erfolgreichen Geschäftsverlauf vorweisen können, wäre der Verkauf dieser Beteiligungen zum Zwecke der Liquiditätsgenerierung und anschließenden Rückzahlung der Inhaber-Teilschuldverschreibungen wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Reaktion der Anleihe? Schlagartiger Abfall auf 65% – dieser Vorschlag kam also bei den Investoren so gar nicht gut an.

Reaktion der Maritim Vertriebs GmbH? Heute sagte man in einer geplante Gläubigersammlung wieder ab.

“Wir sind von der heftigen Reaktion des Marktes auf unseren Vorschlag überrascht und auch ein wenig enttäuscht” “Das von uns ausgesuchte Portfolio an Spezialschiffen hat den Anlegern in den vergangenen zwei Jahren eine ansehnliche Rendite gebracht. Unser Anliegen war es, die Beteiligungen an diesen gut laufenden Einschiffsgesellschaften langfristig für die Anleger zu sichern. Dies ist offenbar nicht gewünscht. Daher werden wir das Engagement in diesen Gesellschaften beenden und die Anleihe am 1. Dezember vollständig an die Investoren zurückzahlen.”

Ganz ehrlich: Mich überrascht es, dass die Geschäftsleitung von dieser Reaktion überrascht ist…. Ein Angebot der Form „Danke, dass du uns 2.5 Jahre Geld geliehen hast, wir würden es jetzt gerne noch weitere 5 Jahre behalten, kürzen dir aber die Verzinsung um 60 %“ klingt halt einfach nicht wirklich prickelnd.

Auch muss man Aussagen wie „höchst erfolgreicher Geschäftsverlauf“ einfach glauben – auf der Webseite konnte ich nämlich keinerlei Dokumente finden, die diese Aussage mit handfesten Zahlen bestätigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass, vor allem im Minenfeld der Mittelstandsanleihen, solche Restrukturierungsmaßnahmen von Anleihen bei mir immer die Alarmglocken läuten lassen. Zwischen den Zeilen kann man einen solchen Wunsch nach Verlängerung nämlich auch als ein „wir haben im Dezember vermutlich nicht genug Kapital, um die Anleihe zurückzuzahlen“ interpretieren….

Nach dem Abblasen der Gläubigerversammlung ist die Anleihe jetzt wieder auf über 90% geklettert. Für die Anleger bleibt nun zu hoffen, dass wirklich alles so rosig läuft, wie die Geschäftsleitung behauptet und die Rückzahlung der Anleihe im Dezember sauber über die Bühne geht.

Pflegeimmobilien als Kapitalanlage?

Bei der Suche nach Kapitalanlagemöglichkeiten stößt man mittlerweile auch immer wieder auf die Möglichkeit, in Pflegeimmobilien zu investieren.

Prinzipiell wohl keine so schlechte Idee, in Zeiten, in denen die Menschen immer älter werden und immer mehr Leute früher oder später Pflegebedürftig werden. Bereits heute ist es in manchen Gegenden gar nicht so einfach einen Pflege-/Heimplatz zu finden, was dafür spricht, dass die Nachfrage nach solchen Immobilien durchaus vorhanden ist.

Aus dem Mund der Anbieter klingen Pflegeimmobilien auch als DIE Möglichkeit ‚risikolos‘ Rendite einzufahren. Vor allem wird immer wieder angeführt, dass die Zahlung an den Pflegeheimbetreiber durch die Sozialversicherung über einen Versorgungsvertrag garantiert wird, wenn der Bewohner nicht über hinreichende Einkünfte verfügt.

Ein weiterer Vorteil: Nicht der Bewohner pachtet ein Zimmer, sondern der Betreiber das komplette Heim. Heißt: Selbst wenn das Zimmer leer stehen: die Miete sollte die Miete weiter fließen.

Betrachtet man sich einmal das Angebot einiger Pflegeimmobilien-Anbieter stellt man fest, dass sich solche Investitionsobjekte in ganz Deutschland finden lassen.

Klingt eigentlich alles recht einfach – allerdings muss man auch hier wachsam sein. Der Betreiber des Heimes muss solvent sein und der Betrieb muss sich für ihn auch lohnen. Was nutzt eine Pflegeimmobilie in einem Heim, dass keinen Gewinn einfährt? Solange der Pachtvertrag läuft, ist das für den Anleger wohl erstmal kein Problem. Es wird aber spätestens dann zum Problem, wenn der Betreiber das Heim nicht weiter betreiben möchte…. Ökotest hat im Jahr 2011 einen (teilweise recht kritischen) Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.

Hat jemand mit einer solchen Investition bereits Erfahrungen gemacht?

Mox Telecom: Involvenz ohne Vorwarnung

Am 17. Juni hat die Mox Telecom AG die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens für die Mox Telecom AG Holding beantragt. Wieder eine bitte Meldung für Freunde von Mittelstandsanleihen, denn auch die Mox Telecom hat einige Millionen von Anlegern eingesammelt. Im November 2012 wurde eine 35. Millonen Euro Anleihe mit einer Verzinsung von 7,25 % p.a. ausgegeben, von der allerdings laut Rating Zertifikat 2013 nur 25 Millionen gezeichnet wurden.

Im Gegensatz zu anderen Mittelstandspleiten, die oft mit Ansage und Kursverlusten langsam eintraten, kam diese Rettung unter den Schutzschirm bei Mox sehr überraschend. Noch Anfang Mai präsentierte man vorläufige Zahlen für das Jahr 2013, die nicht wirklich schlecht aussahen und sprach für 2014 davon, dass man ein “moderates und organisches Wachstum” erwarte. Auch vergab Creditreform im September 2013 ein BBB Rating und im Oktober 2013 empfahl die LBBW die Aktie der Mox Telecom mit einem Kursziel von 7,20 € zum Kauf.

Warum dann die Insolvenz, wenn alles so toll läuft? Laut Presseerklärung der Mox Telecom sind daran wider Erwarten nicht verlängerte Bankverbindlichkeiten in Höhe von knapp 30 Millionen Euro schuld. Läuft wohl doch nicht alles so rund bei Mox, denn sonst hätten die Banken die Kredite wahrscheinlich eher verlängert. Einen endgültigen Jahresabschluss für 2013 gibt es bis heute noch nicht (auch keinen Termin hierfür). Dieser ist laut Finanzkalender zwar für Juni 2014 geplant, aber aufgrund der aktuellen Ereignisse rechne ich eigentlich nicht mit einer baldigen Veröffentlichung.

Der Kurs der Anleihe hat deutlich reagiert: Vormals rund um 100% ist er auf 20% abgestürzt (verständlicherweise…). Die Aktie viel von knapp 6€ auf 1,50€. Mal sehen was das Insolvenzverfahren hier noch so ans Tageslicht bringt…