In dieser Serie möchte ich ein paar persönliche Gedanken zum Thema „Geldanlage in der Niedrigzinsphase“ niederschreiben. Ich werde mich dabei mit mehreren Anlagemöglichkeiten und ihren Vor- bzw. Nachteilen beschäftigen. Es kann auch gut sein, dass ab und an der ein oder andere Exkurs zu einem passenden Seitenthema anfällt 😉

Als erstes werde ich mich mit der „klassisch deutschen“ Anlageform beschäftigen, mit der dieser Blog hier eigentlich auch seinen Anfang nahm: der Geldanlage auf Tages- oder Festgeldkonten.

Tagesgeld und Festgeld – noch eine sinnvolle Form der Geldanlage?

Wenn man unter Geldanlage versteht, sein Geld gewinnbringend anzulegen, muss man diese Frage in der aktuellen Zeit leider eindeutig mit NEIN beantworten. Warum? Nun, mit dem aktuellen Zinsniveau kann man nicht wirklich mehr von Zinsgewinnen sprechen… Sehen wir uns doch einmal die aktuellen Angebote von bekannten Tagesgeldanbietern an:

AnbieterZinsHaken
Cortal Consors1,00 %nur Neukunden, bis 25.000 €, für 6 Monate – normaler Zins 0,05 %
MeineBank1,00 %nur bis 10.000 €, darüber hinaus 0,40 %
ING-DiBa1,00 %nur Neukunden, bis 100.000 €, für 4 Monate – normaler Zins 0,20 %
Renault Bank direkt0,70 %nur Neukunden, für 3 Monate – normaler Zins 0,50 %
MoneYou0,50 %

 

Leicht zu erkennen: Lässt man den „Lockzins“ für Neukunden außen vor, ist es aktuell nicht mal möglich eine Verzinsung von 1 % zu erhalten. Selbst bei der aktuell (zumindest laut offizieller Zahl) überschaubaren Preissteigerung verliert man auf längere Zeit damit effektiv Geld bzw. Kaufkraft.

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Wie jedes Jahr findet auch dieses Jahr wieder die Invest in Stuttgart statt – dieses Jahr am 07. bis 08. April. Die Invest nennt sich selbst „Leitmesse und Kongress für Finanzen und Geldanlage“ und hat sich dieses Jahr insgesamt sechs Themenschwerpunkte gesetzt:

  1. Fonds – die besten Fonds und ETFs
  2. Nachhaltige Geldanlage – mit grünen Ideen Gewinn machen
  3. Trading
  4. Vermögensverwaltung – auch im Niedrigzinsumfeld mehr aus dem eigenen Geld machen
  5. FinTechs – der Fortschritt!?
  6. Edelmetall – welche Rohstoffe lohnen sich im Depot oder physisch

Die Aussteller sind wieder recht breit gestreut über Börsen (z.B. Börse Frankfurt / Stuttgart), Banken (z.B. Commerzbank / Consorsbank), diversen Börsenbriefe (davon kann man jetzt halten was man will…), FinTechs, alternative Anbieter hin zu Goldhängler (Degussa) ist eigentlich so ziemlich alles dabei.

Auch gibt es auf diversen Bühnen – und teilweise auch auf den Messeständen (hier fand ich z.B. Markus Koch auf dem Consors-Stand immer sehr interessant, keine Ahnung ob der dieses Jahr auch wieder dabei ist) – immer wieder Vorträge und Diskussionen zu vielen verschiedenen Themen.

DIE super tolle Empfehlung um direkt Millionär zu werden gibt es natürlich auch auf der Invest nicht – aber ich fand es die letzten Jahre eigentlich immer recht interessant, vor allem da man über die ganze Breite des Anlagenspektrums sich informieren kann. AM besten vorher einmal auf der Homepage über Aussteller und Rahmenprogramm informieren, ob und wann etwas für den eigenen Geschmack dabei ist.

Die Eintrittspreise sind mit 25€ (bzw. 30€ vor Ort) wieder gesalzen – aber es geht auch kostenlos. Einfach unter www.invest-messe.de/eintritt als Aktionscode „investfb2017“ verwenden – und schon gibt es ein Freikarte (inkl. VVS-Nutzung) ;)

 

Ein weiterer Anbieter einer „Mittelstandsanleihe“ musste heute einen Antrag auf Insolvenz stellen: René Lezard. Erneut zeigt sich, dass das Segment alles andere als einfach ist. Nach Strenesse und Escada musste nun schon der dritte Modehersteller mit ausstehenden Anleihen den Weg in die Insolvenz antreten.

René Lezard hat 2013 eine mit 7,25 % verzinste Anleihe mit einem Volumen von 15 Millionen Euro aufgelegt, die eigentlich diesen November fällig gewesen wäre.

René Lezard hatte schon lange Probleme, was sich auch gut am stetig fallenden Kurs der Anleihe erkennen lies. Allerdings ist es wohl nicht gefunden, einen neuen Investor zu finden um die Verbindlichkeiten erfolgreich zu Restrukturieren.

Bereits letzten Jahr hat man Versucht, die Anleihengläubiger auf 40 % der Forderungen und Zinszahlungen zu verzichten. Scheint aber alles nicht gebracht zu haben, und letztendlich blieb nur de Weg in die Insolvenz.

Mal abwarten, ob für die Anleihengläubiger noch eine nennenswerte Quote überbleibt – ich wage es ja zu bezweifeln….

 

Bis jetzt war der Negativzins zwar vielen geläufig – aber eher als Konstrukt für institutionelle Anleger und sonstige Großkunde. Leider macht Flatex damit jetzt Schluss.

Zum  15. März führt Flatex einen Negativzins von 0,4 % für alle Kunden ein – unabhängig von der Höhe der Einlagen bei Flatex.

Heißt: Habt ihr aktuell Geld auf eurem Verrechnungskonto, damit ihr Trades bei Flatex durchführen könnt, kostet euch diese Geld ab Mitte März einen Strafzins von 0.4 %.

Scheinbar horten also viele Kunden nicht wenig Geld auf Ihren Verrechnungskonten bei Flatex – wohl auch vor dem Hintergrund, dass es auf Tagesgeldkonten und Co aktuell eh so gut wie keine Zinsen gibt. Warum also nicht das Geld aktiv für Trades halten? Leider sieht Flatex das wohl nicht so gerne – denn die „kostet“ dieses Geld ja mittlerweile was, dank negativem EZB Leitzins.

Für viele Kunden dürfte Flatex allerdings immer noch ein gutes Geschäft sein. Die Kosten für Depots und Trades sind ja doch meist unter vergleichbaren Onlinebrokern. Aber trotzdem ist die Message doch bedrohlich… auch der „kleine Kunde“ wird wohl nicht auf alle Zeiten vor negativen Zinsen verschont bleiben…

 

Ende März dürfte für einige Sparer die Barclays Zinsgarantie auf das Tagesgeldkonto enden. Wir erinnern uns: Vor 3 Jahren ging die Barclays mit einem sehr gutem Angebot auf den Markt, welches Kunden eine dreijährige Zinsgarantie in Höhe von Leitzins + 1,75 % versprach. Sprich: Selbst aktuell wartet das Tagesgeldkonto noch mit einem, für Tagesgeldverhältnisse, unschlagbarem Zinssatz von 1,8 % auf.

Nun dürften sich einige Fragen: Wohin nun mit dem Geld? Das Anschlussangebot von Barclays ist mit Leitzins + 0,75 % zwar besser als die Standardkonditionen, aber trotzdem rund 1 % schlechter als das auslaufende Angebot.

Das Problem: Aktuell gibt es eigentlich nirgends mehr Konditionen, die großartig über der 1% Marke liegen. Wer noch eine gewisse Sicherheit will, kann (sofern Neukunde) das Angebot der ConsorsBank (ehemals Cortal Consors) wahrnehmen: hier gibt es garantierte 1,1 % für 12 Monate (bis 50.000 €). Ansonsten sieht es relativ schlecht aus auf dem Tagesgeldmarkt.

Auch Festgelder sind keine wirklich Alternativ. Um hier Zinsen über 1,8 % zu erreichen, muss man sein Geld schon 3 Jahre binden und sein Geld Banken mit russischen Wurzeln (Sberbank, VTB Bank) anvertrauen.
Bei Laufzeiten von nur einem Jahrwerden aktuell von den Spitzenanbieter auch nur 1,4 % gezahlt.

Als konservativer Sparer hat man es im aktuellen Umfeld nach wie vor sehr schwer….

 

 

Im Oktober machte die MBB Clean Energy den Anleihengläubigern etwas Hoffnung, denn man informierte über Reparaturmaßnahmen an der ungültigen Anleihe. Der Plan war, die ungültige Globalurkunde durch eine neue (inkl. neuer ISIN) zu ersetzen. Passiert ist bis jetzt nicht viel sichtbares, außer dass am 25.11 eine neue Pressemitteilung über Probleme informierte:

  • Der Reparaturprozess, verursacht durch zwei formunwirksame Globalurkunden, stockt derzeit. Ursprünglich sollte der Vorgang, samt Übertragung in eine wirksame Form, bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Dieser avisierte Termin wurde nun erneut verschoben.
  • Die technischen Dokumente für den Start des Reparaturprozesses liegen seit Mitte Oktober in einer Form vor, in der diese innerhalb weniger Tage finalisiert werden könnten.
  • Die MBB Clean Energy AG verfügt über die notwendigen Versicherungen, welche auch den Reparaturprozess abdecken.
  • Der MBB Clean Energy AG ist es jedoch ohne das konstruktive Miteinander der involvierten Parteien nicht möglich, diesen Prozess zu starten.
  • Die MBB Clean Energy AG verfolgt weiterhin das Ziel, sämtliche Blockaden für das Unternehmen abzubauen und die Verpflichtungen gegenüber den Investoren zu erfüllen.

Die nunmehr verwendete Zeitspanne für die Reparatur beträgt annähernd 6 Monate. Die MBB Clean Energy AG wird weiter mit aller Kraft an der Reparatur arbeiten, ist jedoch leider nicht in der Position, hier entscheidenden Einfluss zu nehmen.

Diese Mitteilung ist nicht mit den Parteien des Prozesses, dem Bankhaus Gebr. Martin AG und der Clearstream Banking AG abgestimmt.

Das klingt jetzt alles nicht so wirklich positiv… Da scheint es hinter den Kulissen doch ziemliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den beteiligten Parteien zu geben. Der Umtausch Ungültig gegen Gültig scheint wohl doch nicht so einfach zu funktionieren, wie man sich das erhofft hat….

Es bleibt spannend – wobei bei solch einem zerstrittenen Verhältnis (Pressemitteilungen bei denen explizit drauf hingewiesen wird, dass sie mit anderen beteiligten Stellen nicht abgestimmt sind zeugen schon von ziemlichem Streit…) nur selten am Ende noch etwas gutes bei rauskommt.

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Wir erinnern uns: Seit einiger Zeit liegt die Anleihe der MBB Clean Energy AG wie ein Stein in den Depots der Anleger, da die Anleihe seit Mai vom Handel ausgesetzt ist.

Eigentlich hätte im Mai sollen eine Zinszahlung der mit 6,25 % Verzinsten Anleihe erfolgen – allerdings wurde diese Zahlung aus „technischen Gründen“ ausgesetzt und später die Globalurkunde der Anleihe für unwirksam erklärt.

Am 14.10. nun informierte die MBB Clean Energy in einer Pressemitteilung über Reparaturmaßnahmen an der Anleihe.

So soll die ungültige Globalurkunde durch eine neue (hoffentlich dann gültige…) Globalurkunde mit neuer ISIN ersetzt werden. Diese neuen Papiere sollen dann berechtigte Anleger erhalten. AUch scheint man die ausgesetzten Zinsen zahlen zu sollen:

Diese berechtigten Anleger sollen im Rahmen der Reparaturmaßnahme auch unter den bisherigen 6,25% Schuldverschreibungen 2013/2019 fällige Zinsen erhalten.

Details über diesen Prozess sollen betroffene über ihre Depotbank erhalten. Sind wir mal gespannt, ob das ganze alles reibungslos (inkl. Zahlung der ausgesetzten Zinsen) von statten geht.

 

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sberbank directMit der Sberbank Direct hat im August 2014 ein neuer Anbieter von Tages- und Festgeldangeboten den deutschen Markt betreten. Hierbei handelt es sich allerdings mal wieder nicht um eine deutsche Bank, sondern um eine Marke der österreichischen Sberbank Europe, die wiederum eine 100 prozentige Tochter der Sberbank of Russia ist.

Die Sberbank of Russia wurde im Zuge der Ukrainekrise von den USA und der EU auf eine Sanktionsliste gesetzt (auf der sich z.B. auch die russische VTB befindet). Allerdings hat dies für deutsche Anleger keine unmittelbare Folge – für uns ist die österreichische Tochter und nicht die russische Mutter zuständig. Auch in Sachen Einlagensicherheit und Co ist der österreichische Einlagensicherungsfonds zuständig – der wie überall in Europa Einlagen bis zu 100.000 Euro absichert.

Die Produktpalette der Sberbank ist recht überschaubar mit genau zwei Produkten: Tagesgeld und Festgeld.

Die Konditionen sind (für die aktuellen Marktverhältnisse) gar nicht so übel. Aktuell wird die Tagesgeldanlage mit 1,3 % pro Jahr (inkl. Neukundenbonus von 0,1 %) verzinst. Dieser Zinssatz ist bis zum 31.12.2014 garantiert. Mindesteinlage gibt es keine und die Zinsen werden, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, vierteljährlich ausgezahlt.

Das Festgeldangebot splittet sich in vier Angebote mit unterschiedlichen Laufzeiten (12, 24, 36, 48 Monate) auf. Allen Angeboten gleich ist die nötige Mindestanlage in Höhe von 1.000 Euro und die jährliche Zinsgutschrift auf das Tagesgeldkonto. Auch die Festgeldkonditionen sind gar nicht so schlecht:

LaufzeitVerzinsung p.a.
12 Monate1,4 % p.a.
24 Monate1,5 % p.a.
36 Monate2,2 % p.a.
48 Monate2,2 % p.a.

Bei den langen Laufzeiten (36 und 48 Monate) liegt die Sberbank mit diesen Konditionen ganz vorne, aber auch die kürzen Angebote wissen mit Konditionen im vorderen Bereich (verglichen mit Mitanbietern) zu überzeugen.

Im aktuellen Umfeld sind die Angebote der Sberbank sicher eine Überlegung wert. Hinter der Bank steht zwar eine russische Mutter, welche in der aktuellen politischen Lage mit Sanktionen zu kämpfen hat, allerdings ist nicht die russische Mutter selbst sondern der österreichische Ableger (Sberbank Europe) für die auf dem deutschen Markt angebotenen Produkte zuständig.

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Die Zahl der Insolvenzen im Bereich der Emittenten von Mittelstandsanleihen erhöht sich schon wieder – diesmal gleich um zwei in kurzer Zeit.

Am 08.10.2014 hat die MT-Energie GmbH den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt nachdem bereits am 02.10.2014 die Golden Gate GmbH den identischen Weg eingeschlagen hat.

Die MT-Energie GmbH ist ein Betrieb aus der rauen „Erneuerbare-Energien-Branche“ und hat sich auf Vertrieb und Entwicklung von Biogasanlagen sowie Biogaskomponenten spezialisiert. Im Jahre 2012 wurde eine 5 jährige Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro und einem Zinskupon von 8.25 % auf den Markt gebracht. Bis zum Juli 2012 konnten allerdings nur 13,6 Millionen € dieser Anleihe platziert werden.

In schwererem Fahrwasser war die MT-Energie schon länger – der Anleihenkurs lag in den letzten 12 Monaten nur kurz einmal über 50 %. Eigentlich wurde in den ursprünglichen Anleihebedingungen ein Sonderkündigungsrecht bei Fall der Eigenkapitalquote unter 20 % gewährt. Diese Quote konnte allerdings in 2013 nicht erfüllt werden und im April 2014 einigte man sich mit den Anleihengläubigern, auf dieses Sonderkündigungsrecht vorerst zu verzichten.

Gebracht hat es wenig – mit der Insolvenz ist es wiedermal sehr fraglich, ob die Anleihegläubiger mehr als nur einen kleinen Bruchteil ihres Investments zurückerhalten. Die Börse glaubt nicht wirklich daran – der Kurs der Anleihe dümpelt aktuell bei 5 %.

Während die Insolvenz der MT-Energie als „klassischer Fall“ zu bezeichnen ist (Ausfall während der Anleihenlaufzeit aufgrund schlechter Geschäftslage), ist der Fall der Golden Gate GmbH, welche sich auf die Entwicklung von Gesundheits- und Wohnimmobilien spezialisiert hat, etwas anders gelagert und verspricht für die Zukunft wenig Gutes.

Die Anleihe der Golden Gate GmbH in Höhe von 30 Millionen € wurde im Frühjahr 2011 mit einem Kupon von 6,5 % ausgegeben (und vollständig platziert). Geplanter Rückzahlungstermin: 11.10.2014 – also knapp 1 Woche nachdem nun der Insolvenzantrag erfolgte. Noch im Mai wurde die Anleihe von der Credit-Reform mit BB (nach einem BBB bei Auflage) geratet.

Hier zeigt sich ein Problem, welches in Zukunft wohl noch öfter auftreten könnte: Rückzahlungen von Anleihen benötigen Cash. Auch bei der Golden Gate war klar, dass die Anleihe nur durch den Verkauf einer Großimmobilie oder durch eine Anschlussfinanzierung realisiert werden konnte. Im Falle der Golden Gate war der Plan, die erworbene ehemalige Bundeswehrklinik in Leipzig zu Geld zu machen um die Anleihe zurückzuzahlen – was aber nicht gelang. So stand man nun im Oktober vor dem Problem der Forderung über knapp 32 Millionen € (Anleihe plus letzte Zinszahlung) ohne ausreichend Cash in der Hand zu haben –> Insolvenz.

Ich befürchte, solche Situationen sehen wir in Zukunft leider öfter. Laut Scope laufen bis 2018 Mittelstandsanleihen in Höhe von 5,4 Milliarden € aus. Hier dürften dann viele Firmen vor dem Problem der Golden Gate stehen: Woher da Geld nehmen?
Richtig erfolgreiche Unternehmen können aktuell günstig refinanzieren – siehe z.B. am Beispiel von Dürr. Hier wurde die 7,25 % Anleihe vorzeitig gekündigt, nachdem man eine neue Anleihe mit einem mickerigen Kupon von 2,875 % platzieren konnte. Viele Wackelunternehmen dürfte diese Möglichkeit allerdings nicht haben. Wenn die Zinsen zwar irgendwie bezahlt werden können, der Erlös der Anleihe aber komplett investiert ist, steht man unter Umständen zum Rückzahlungstermin vor einem richtigen Problem….

Hoffen wir mal, dass dieses Problem nicht wirklich Schule macht.

 

Da ist sie nun – die Insolvenz der MIFA. Die letzten Monate waren für Investierte (seihen es Anleihegläubiger oder Aktionäre) bei der MIFA nicht ganz einfach… Erst findet man einen Fehler in der Bilanz, der zu einem Loch von 15 Millionen Euro führt, dann findet man noch weitere, so dass das Loch auf 28 Millionen anwächst. Dann präsentiert man im Mai eine scheinbare Rettung in Form des indischen Fahrradherstellers HERO, der 15 Millionen in die MIFA investieren wollte. Im August rang man den Anleihegläubigern dann eine Stundung der am 12. August fälligen Zinsen ab.

Gegen Ende August wollte die MIFA dann im Rahmen einer Grundlagenvereinbarung noch mehr Zugeständnissen der Anleihegläubiger. Es sollte über einen Forderungsverzicht in Höhe von 15 Millionen seitens der Anleihegläubiger zugunsten einer Sachkapitalerhöhung in Neue Aktien (Dept-Equitiy-Swap) abgestimmt werden. Ebenso sollten auf die Zinsen der Periode 08/13 – 08/14 komplett verzichtet werden (also nicht nur eine Stundung) und die Laufzeit der Anleihe sollte, bei einer Senkung des Zinses um 1 % (auf 6,5 %), um 3 Jahre auf 2021 verlängert werden. Als Gegenleistung war das Bezugsrecht auf Neue Aktien, nach einem Kapitalschnitt im Verhältnis 1:100, auf dem Tisch.

Danach folgten noch ernüchternde Geschäftszahlen für 2013 (mit einem finalen Bilanzverlust von 29,6 Millionen Euro), und die Meldung über ein Miniplus im ersten Quartal 2014 (dass nach Abzug des negativen Finanzergebnisses allerdings auch ins Negative kippte), verbunden mit einem negativen Ausblick auf das zweite Quartal.

Am 29.09.2014 gab es dann die Ad hoc, dass ein Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals eingetreten ist und das Eigenkapital im Halbjahresabschluss voraussichtlich negativ sein wird.

Am selben Tag folgte auch die Meldung bezüglich der Insolvenz in Eigenverantwortung. Grund:

Ein wesentlicher Bestandteil der Grundlagenvereinbarung, die am 22. August mit der OPM Global B.V., einer Tochtergesellschaft des indischen Fahrradherstellers Hero Cycles Ltd., und der One Square Advisory Services GmbH, dem Gemeinsamen Vertreter aller Anleihegläubiger der MIFA-Anleihe 2013/18 (WKN: A1X25B / ISIN: DE000A1X25B5), zur finanziellen Sanierung der MIFA geschlossen wurde, konnte nicht wie zugesagt umgesetzt werden.

Die Punkte, die man von den Anleihegläubigern forderte waren mit einem Forderungsverzicht von 15 Millionen (bei einem Volumen von 25 Millionen) plus Zinsverzicht auch nicht so ganz ohne. Allerdings geht aus der Meldung leider nicht hervor, an welchem Punkt es nun genau gescheitert ist.

Glaubt man einem Artikel von Handelsblatt Online, war die Rolle der Inder auch mehr als Zweifelhaft:

Doch das Geschäft kam nach Handelsblatt-Informationen bisher nicht zustande. Im Gegenteil: Die indischen Verhandlungspartner hätten sich genau umgeschaut, heißt es aus Kreisen des Mifa-Vorstands. Sie hätten sich Fertigungsprozesse und Know-how abgeschaut und bei dem Bau einer neuen Fabrik in Indien angewandt. Die Rede ist von Wirtschaftsspionage im großen Stil. Kopieren statt kaufen, so lautet der Vorwurf, zu dem Hero bisher nicht Stellung nahm. (Quelle)

Wie dem auch sei – aus Sicht des Mittelstandsanleihenmarktes geht wieder eine Anleihe mit einem Volumen von 25 Millionen vor die Hunde. Und auch hier hat es nicht einmal zur ersten Zinszahlung für die Gläubiger gereicht….

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